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Expedition - Ama Dablam

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Die Ama Dablam – ist weiblich – und bedeutet übersetzt aus der Sanskritsprache „Mutter und ihre Halskette“. Der Berg steht südlich von Everest und Lothse im Khumbu Gebiet, Mitten im Himalaya-Gerbirge und zählt zu den schönsten Gipfeln der Welt. Sie gilt mit ihren 6856 Meter als das Matterhorn Nepals, fast senkrecht steht die Eis- und Felspyramide am Weg zum Everest Basecamp. Der heilige Berg war sehr lange für Besteigungen gesperrt und wurde erst 1961 erstbestiegen. Von allen Seiten wurde mittlerweile der Gipfel erreicht. Wir wollen unser Glück am SW-Grat versuchen. Dieser Weg sollte über kombiniertes Gelände, 60° steiles Eis sowie Kletterpassagen im Fels bis zum sechsten Schwierigkeitsgrad führen.

Ausgerüstet mit 400 Meter Fixseilen, eine Unzahl an Felshaken, Eisschrauben, Keilen, Zelte, Kocher, Daunenausrüstung, Proviant aus der Heimat und vieles mehr reisen wir im Herbst 2002 in das Königreich Nepal an. Es ist eine Jubiläumsexpedition "50 Jahre österr. Alpingendarmerie". Mit von der Partie ist der Ebbser Harald Astner alias Sattlerwirt. Wichtig ist es beim Himalajabergsteigen eine gute Höhenanpassung zu erreichen. Wir wollen dies bei einer vorhergehenden Trekkingtour erreichen. Wer sich jemals dem Zauber einer "Wanderung" durch das ursprüngliche Nepal hingegeben hat, weiß wovon ich schwärme. Auf dieser Tour begleiten uns Freunde und Freundinnen von zu Hause. Gemeinsam erleben wir die Gastfreundschaft der Nepali, genießen den täglichen Kontakt mit ihnen und lernen sie zu bewundern. Durch den Solo Khumbu treffen wir auf Sherpas, die schwerste Lasten tagelang transportieren (Bild). Es gibt keine Verbindungsstraßen, nur Wege und Steige. Die Tour führt uns auf mehrere Gipfel und Pässe über 5000 Meter. Als höchstes Ziel wählen wir uns den Island Peak mit 6189 Meter aus. Imposant ist es sich mitten unter den Giganten zu bewegen. Cho Oyo, Mt. Everest, Lhotse, Nuptse, Pumori, alle scheinbar nur einen Katzensprung entfernt. Man hat den Eindruck, jeder einzelne "Riese" posiert noch schöner und eitler, um ja gut fotografiert werden zu können. Nach 14 Tagen ist dieser Traum vorbei und wir erreichen das Basislager an der Ama Dablam auf 4600 Meter Höhe. Der Berg strotzt vor lauter Schönheit und lässt uns unseren großen Respekt leichter ertragen.

Meine Kollegen von der Alpingendarmerie, sie marschierten direkt in das Basislager, haben mittlerweile ganze Arbeit geleistet. Es wurden die Lager I und II aufgebaut. Es sollen sehr gute Verhältnisse am Berg vorherrschen. Wenn das Wetter nicht umschlägt, kann eine Solobegehung riskiert werden. Vor allem auch deshalb, weil kommerzielle Expeditionen den Berg "verkabelt" hatten und uns diese beschwerliche Arbeit erspart bleibt. Harald und ich entscheiden uns einzeln und mit einem Tag Abstand zu gehen. Dadurch erhoffen wir uns eine bessere Erholungsmöglichkeit in den kleinen Höhenlagern. Aus Platzmangel wären wir ohnehin aufeinander gelegen.

Die Kletterverhältnisse am Berg und das Wetter sind tatsächlich ausgezeichnet. Trotz der vorhandenen Fixseile erweist sich aber der Aufstieg beschwerlich und gier endlos. Beeindruckend auf dieser Höhe der Weitblick. Nach einer unruhigen Nacht im Lager I steige ich noch im Dunkeln weiter. Zäh und langsam geht es voran. Bereits kurz nach dem Verlassen des Lagers beginne ich mit dem Zählen der Schritte. 1,2,3,...10, bleibe stehen und sammle meine Kräfte. Zweifel kommen auf. Sind die Fixseile gut verankert, kann ich darauf vertrauen, dass sie auch halten? Einmal hätte ich wenigstens auf 5900 Meter schlafen sollen, vielleicht danach noch kurz das Lager II aufsuchen, dann sofort ins Basislager absteigen um mich zu erholen. Nein, an meinem Entschluss, heute den Gipfel zu besteigen, halte ich fest. Nach 10 Stunden Aufstieg erreiche ich am 11.11.2002 gegen 14.00 Uhr den Gipfel. Starker Wind gewährt es mir nicht den Gipfel zu genießen, eine dichte Wolkenschicht kündigt eine herannahende Schlechtwetterfront an. Beim Abstieg im Lager I treffe ich noch auf Harald und tausche Informationen aus. Ich wünsche ihm noch viel Glück und steige dann weiter ins Basislager ab. Jetzt heißt es Daumen halten für ihn. Die Wetterverschlechterung kommt schneller als erwartet. Am Morgen hat es im Basislager Neuschnee. Meine Gedanken sind bei Harald, wie wird ihm jetzt wohl der Sturm um die Ohren sausen. Kann er überhaupt den Gipfelversuch starten? Plötzlich reißt mich ein Schrei unseres nepalesischen Freundes "Min" aus den Gedanken. Er will Harald knapp unterhalb am Gipfel gesehen haben. Ein Wetterloch machte einen Blick zum Gipfel kurz möglich. Danach war es wieder vorbei und der Wind bläst uns die Schneeflocken um die Ohren. Stunde für Stunde verging und das Schlechtwetter lässt nicht nach. Das untätige Warten ist zermürbend. Erst in den späten Nachmittagsstunden wich die angstvolle Anspannung der Freude. Ein Bergsteiger steigt in Richtung Basislager ab. Und es ist Harald. Der Sturm und Neuschnee ließ ihn auf 6300 Meter umkehren. Gott sei Dank! So können wir alle ohne gesundheitliche Schäden vom Berg Abschied nehmen und freuen uns auf ein neues Abenteuer.